Kritik zuNora
3.3/5
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regisseur Stefan Pucher bleibt seinem pop-poesie-stil treu und zeigt eine glamouröse nora
  · 27.05.16
ein gutes vorzeichen: die stets höchst anspruchsvolle, gern verkniffene kritiker-riege hat die inszenierung bereits im chor benörgelt und abgewatscht. da ich der regiearbeit von pop-magiker Stefan Pucher schon in den dt-inszenierungen "baal" und "was ihr wollt" viel frollainwunderbares abgewinnen konnte, war ich sehr auf ibsens "nora" (oder ein puppenheim, 1879!) gespannt, mit der sprache von Armin Petras, der auch weiß, was smarter mainstream mit eigener note sein kann. die 80 minuten neuzeit-nora wurden zum ziemlich hinreißenden kaleidoskop. ebene 1 zoomt in die gut situierte yuppie-ehe mit karrieregatten und der schmucken frau an seiner seite (die 3 kinder blieben gesichtslos außen vor). ebene zwei zeigte sich in großen s/w-einblendungen auf den zimmerwänden. getragene film-szenen mit texten aus dem original, in nostalgischen kostümen, mit dem nötigen ernst inszeniert. schön. bernd moss mit dem markanten gesicht gibt den karrierehengst und göttergatten torvald helmer, betet seine göttin nora vor allem körperlich an. katrin wichmann ist aber auch reizend besetzt. edel-blond, feminin, elegant, deluxe-madamig, aber auch schnatterig, überdreht, frustriert, dann wieder tapfer, stolz. es wabert der konflikt der unerlaubten urkundenfälschung. (nora erschlich über den verstorbenen vater einen immensen kredit, um damit den burn-out-gatten in eine offzeit zu schicken). als torvald dies erfährt, eskaliert die situation. bernd moss steigert sich hier in eine energetische szene hinein, in der er seine angebetete in grund und boden beleidigt. was ist vertrauen??? nebenfigur christine linde wird von tabea bettin verkörpert, ebenso bildschön und ausdrucksstark wie katrin als nora. diese christine wird den konflikt provozieren aber auch wieder eindämmen. somit beruhigt sich der dominante helmer schließlich, hat aber mit seinem entlarvenden ausbruch seine frau verloren. nora verliert sich nun in die große enttäuschung und wird ihn verlassen. sie muss. 
das bühnenbild präsentiert sich zwischen lässig und statisch, gibt die umgebung in modernen details preis. pucher zieht konsequent eine vordergründig/hintergründig auf edelglanz polierte regie durch und fasziniert wieder mit musikalischen brüchen. die protagonisten dürfen popstarlike singen und magnetisieren, kurz in ihre abgründe abtauchen. viel spielfreude, viel applaus.
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