3.2/5
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hallelujah eher nicht, aber viel kauziges für müßiggänger
  · 16.06.16
marthaler - master of müßiggang. schon bei tessa blomstedt entstand irgendwann dieser regieschläfrige sog. der aber bei "hallelujah" wirklich einsetzte. anna viebrock karrte auch für diese stück die requisiten heran, wählte die kostüme aus und verpasste der volksbühnenbühne den spröden look. es ist plänterwald, der freizeitpark der vergangenheit ist erstarrt. ein riesiger unkaputtbarer dino ragt vom boden, eine scheppernde abgeblätterte treppe führt in die höhe und hinab. das irgendwie-zentrum in diesem aus der zeit gefallenen reservat ist ein kassenhäuschen, in dem eine ungemütliche ältere dame abweisend thront ("hinten anstellen!"). das ensemble trippelt wieder, wird zu einer gruppe verlorener, jeder ist eine "ehemalige" figur. zeitreise nach damals, die erstarrt ist. im freizeitpark, den niemand verlassen wird in den nächsten zwei stunden. trost findet sich in hinreißenden countrysongs. die muss man gar nicht mögen, aber in "hallelujah" dürfen sie wirken und blühen. sängerin tora augestad füllt den riesigen saal mit kitschigen songperlen, die stimme glockenhell. die musiker hardy kayser und clemens sienknecht sind die schräge mini-band. film-newcomerin lilith stangenberg ("wild" von krebitz) ist wieder mit dabei und teilt monoton mit, dass sie eine dauerkarte für den park besitzt und seltsamerweise hier auch wohnt. neid löst sie damit nicht aus.
marc bodnar, französischer schauspieler mit strammen bauch, schmieriger frisur und null scheu, seine rolle extrovertiert und komisch auszuleben, zitiert den oberindianer pierre brice/winnetou aber auch mal karl may, auf französisch. das ostdeutsche pendant dean reed findet heute auch seinen platz in amerikanisch-wohlfeilen zitaten.
irgendwie trostlos dieser schauplatz, irgendwie liebenswürdig diese figuren. man muss sich der entschleunigten regie hingeben, sonst wird man ziemlich müde. immer wieder reißt ein country-song die statischen statisten in die hoffnung zurück, lässt lustiges zu, trauriges und träume. ein kauziger abend.
 
(weniger skurril ist die neubestuhlung in der volksbühne. nachdem die verplüschten reihen entsorgt wurden, beton vergossen, sitzt man nun als erwachsener auf plastikstühlen im kindergartenformat. die überelastischen nur halbhohen rückenlehnen lassen kaum entspanntes sitzen zu. und das bei einem millionen-budget.)
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