Kritik zuHamlet
3.7/5
Bewertungen: 9
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als schaubühnengroupie, das dort schon viermal ostermeiers "hamlet" mit lars eidinger gesehen hat, ist es natürlich gewagt, ins berliner ensemble zu stiefeln. ich bin aber neugierig genug und durchaus offen für andere interpretationen, habe hier aber schon nach 15 minuten mein inneres kulturtheatertürchen geschlossen und angestrengt auf die pause gewartet (die allerdings erst nach zweieinhalb stunden kommt. da ist in der schaubühne schon fast alles auf hinreißendste gesagt und getan, was man nur sagen kann zu dieser weltberühmten vorlage).
haußmanns hamlet ist mit christopher nell als protagonist (sonst eine putzige tinkerbell in "peter pan") ein blasser fahriger abklatsch, ein bürschchen, dem man nicht viel sympathie abgewinnen kann. größenwahnsinnig, klar, aber dabei hektisch, albern, überheblich, möchtegern. die hauptfigur schafft es nur in schüben auch den hauptplatz auf den brettern einzunehmen. dann müssen aber auch schon eingeweide verteilt werden (oder ein gehirn geworfen), blut spritzt literweise, zuschauer werden "bedroht" und angefasst mit kunstblutverschmierten händen. das sollte irgendwie an tarantino erinnern. da kann ich nur lachen.
irgendwann wird man müde vom regie-muff. der einzige verstaubte regie-kniff ist die ewig im kreis rotierende bühne (nicht nur linksrum, auch rechtsrum!), die dynamik in die handlung bringen soll (nur das diese sich schon in den steifen texten aufgehängt hat). als symbolfiguren "schwarz und weiß" stolziert das berlin-duo "apples in space" mit haußmann-poeten-sohn phil und einer norwegischen julie durch die pappkulissen. mit engelsflügeln, schifferklavier und leierigen singer-song-writer-"lalas" nervt das musikalische minikonzept irgendwann aber nur noch mit den wehleidigen liedchen und zieht energie aus der satten thematik. aber satt ist ja hier gar nichts.
und dann drehte sich wieder die bühne. und die weißen pappkulissen wackelten...
geschockt war ich von der besetzung des königspaares, hamlets mutter "gertrude" ist eine tranige alte dame, die zwar herz zeigt aber wenig leidenschaft und komplett überfordert ist vom söhnchen.
der "oheim", der onkel und hamletvatermörder, ist mit roman kaminski unterirdisch besetzt. ein fast schon uralter könig im schwarzweißen anzug. kaminski nuschelt den text in einer rekordgeschwindigkeit runter, die vermutlich total professionell oder senior-elegant wirken soll, aber komplett verhindert in den text einzusteigen. das gelingt eh fast nie. die sätzen werden oft nur doziert oder aufgesagt. die figuren kommunizieren nur höflich interessiert miteinander. die doch so wichtigen nebenrollen sind entweder albern oder blass besetzt. nur ophelia reißt es mit ihrem charme und ihrer niedlichen verzweiflung etwas raus (warum sie aber so an diesem dänenprinz hängt bleibt ein rätsel). hamlets vater, der erstmal nackt erscheint und dann zum bleichen geist mutiert, kommt zumindest vital daher, so lange er noch leben darf.
haussmanns version ist zu einer provinziellen shakespeare-flachnummer geworden, die nur staub aufwirbelt statt uns mitzureißen.
die flucht vor der ermüdenden regiemeisterleistung gelingt zur pause (der shakespeare-schinken zieht sich dann noch bis auf 3 stunden 30 minuten.) vorher muss man erstmal die knie und beine wiederbeleben, auch der "sitzkomfort" im berliner ensemble ist eine echte prüfung.
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