5.0/5
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Stimmlicher Triumpf
  · 07.10.18
Bonn hat ein neues Ensemble, das sich unbedingt lohnt anzuschauen. Im akustisch klangvollen Kammermusiksaal des Beethovenhaus Bonn feierte letzten Samstag das neu gegründete Bonner Ensemble Stimmrausch seine ausverkaufte Premiere von EVERYBODY LOVES SOMEBODY. Soviel vorweg: Es war eine glanzvolle Premiere und ein Musiktheaterabend auf Spitzenniveau. Wie in einem Konzert werden amerikanische Songs aneinandergereiht. Das besondere ist, dass der ganze Abend zu einer szenisch durchchoreografierten Liebesgeschichte verknüpft wird. Dieser Kniff ist nicht neu aber selten so gut gemacht. Hier gelingt es geradezu vollkommen, nicht nur weil jeder Song für sich eine kleine Geschichte ist, sondern  weil das Verweben zum grossen Ganzen mit grösster Leichtigkeit funktioniert.  Der Abend beginnt und endet humorvoll mit "New York New York". In der ersten Szene als coole artistisch durchchoreografierte Nummer und im Finale zart und weltentrückt, bevor es dann doch eine Rausschmeissnummer wird. Und dazwischen gibt es allerhand zu durchleben. Nicht nur für die beiden Sänger, sondern auch für das Publikum, dass sich im kreisrunden KAMMERMUSIKSAAL mitten im Geschehen weiss. Spätestens  wenn beide Protagonisten tot auf der Bühne liegen, muss dann auch der Hartgesottenste eine Träne verdrücken. Der Ensemblename Stimmrausch  ist Programm. Dynamisch schöpfen dìe Musiker aus dem Vollen. Immer wieder wagen sie es im zartklingenden verletzlichen Piano zu agieren, um dann in den ausladenden Fortestellen alles Verinnerlichte verschwenderisch nach aussen zu kehren. Ein stimmlicher Tiumph. Das Ganze ist eingebettet in einem minimalistischen Bühnenbild, das farblich harmonisch aufeinander abgestimmt ist. Die szenischen Einfälle sind immer stringent, oft humorvoll und in den emotionalsten Stellen hochpoetisch. So etwa als Max vom Kopfgeldjäger Mr Black (Mick Dahlhaus in stummer Rolle überzeugend) erschossen wird. Den Todesschuss übernimmt das Klavier und das Blut fliesst als rotes Tuch in Zeitlupe aus dem Hemd des Todgeweihten.  Den beiden Protagonisten gelingt szenisch und musikalisch an diesem Abend etwas ganz Besonderes.  Beide von Haus aus Opernsänger schaffen es eine neue Klangästhetik zu kreieren. Das gelingt natürlich schon alleine deswegen, weil sie ohne Mikrofone agieren.  Alles klingt etwas klassischer als gewohnt und trotzdem werden sie dem Stil der American Songs voll gerecht. Den dazugemischten Opernsound nimmt man an diesem Abend eher als Sahnehäubchen war. Dann etwa, wenn Yanar Aporta als Mafiabraut Jane im  Marilin Monroe-Song "Diamonds are a girls best friend" nebenbei  noch eine blitzsaubere Koloratur einfügt. Ohnehin ist diese Sängerin, über deren Vielseitigkeit alle Opernhäuser der Welt froh sein  könnten und deren Intensität in einigen Stellen fast beängstigend ist, ein selten erlebtes Ereignis. Sie beherrscht die tiefsten Register sanft schmeichelnd oder auch farbglühend a la Carmen, singt nebenbei lyrisch ergiessend und versteht es auch noch in den ausgehalten  Spitzentönen voll  auszusingen. Ihr Partner Marc Horus In der Rolle des  Profidiebs Max ergänzt sie kongenial. Sein bartional grundierter Tenor beschenkt das Publikum  mit samtweichen strahlendem Tenorgesang und er zeigt  dass man es besser machen kann als manche berühmte Kollegen die sich auch dieser Songs annahmen um sie lediglich als Opernfloskel herauszuschmettern. 
Am Flügel begleitet der Kölner Jan Weigelt mal einfühlsam mal leidenschaftlich und immer mitatmend und tut seinen Teil dazu, dass die neu arrangierten Stücke von Song zu Song ineinanderfliessen. Für mich war es einer der schönsten Theaterabende seit langem. Und auch das Publikum  ist sichtbar erfüllt und darf sich beglückt  auf die nächste Stimmrausch-Premiere freuen die für den Februar 2019 angekündigt ist. Dann wagen  sich die Bonner an Schnitzers TRAUMNOVELLE, die als Impro-Oper präsentiert werden soll. Wir dürfen gespannt sein.
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