4.0/5
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Am Beispiel des Kühlschranks oder Es geht ein Riss durch den Saal
  · 09.09.18
''Besonders gelungen: Eine schmierenkomödiantische Adaption der Maria Stuart – Konstellation. Der bekannte Showdown aus Schillers Meisterwerk, Liz gegen Maria, die eine hat die Macht, die andere den Stolz. Unschwer zu erraten, wie die Flaggen verteilt sind. Ahistorisch gewinnt der Osten im Keif-Duell, und im Saal brandet Jubel auf, der wie ich fürchte nur zum Teil der schauspielerischen Leistung der Damen Stübiger und Freudenberg gilt. Allein dies illustriert besser die Gefühlswelt hierzulande als alle soziologischen Aufsätze zu diesem Thema. (Wobei ich nicht der Ansicht bin, daß diese Larmoyanz und das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, irgend etwas entschuldigt, aber das führt hier zu weit.) 

Was ebenfalls deutlich zu weit geht, ist die unreflektierte Wiedergabe von Honeckers Rechtfertigungs-Poem vor Gericht. Dabei fängt das so gut an, das Sandmännchen kommt mit dem Hubschrauber, der Figur entsteigt Viktor Tremmel, stellt sich an die Bühnenkante und rezitiert ohne äußerliche Regung. Aber dieser verquaste Blödsinn des altersstarren Staats- und Parteichefs i.L. hat auf der Bühne nichts zu suchen, auch wenn einige Sätze natürlich bedenkenswert und diskutabel sind. In diesem Stück aber hat das keinen Sinn (nicht „macht keinen Sinn“, liebe Wessis), wenn man sich dazu nicht verhält. So kommt es wie befürchtet: Selbst dieser Quark wird – wenn auch spärlich – beklatscht. Ein Riss geht durch den Saal, immer noch und vielleicht auch dauerhaft.'' schreibt Sandro Zimmermann am 10. September 2018 auf KULTURA-EXTRA
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