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susanne wolffs faszinierender monolog einer scheuen ismene
  · 30.01.18
sie ist ja nur ismene, die schwester von antigone (und den streitbaren brüdern eteokles und polyneikes), die tochter von ödipus. autorin lot vekemans holt die stille scheue ismene aus dem reich der toten seelen und griechischen mythen. nun steht sie 2015 vor uns auf einem hohen bühnensteg mit strähnigem langen haar, blauer hemdbluse, dunkler stoffhose, ausgetretenen sneakern und fragt sich in den kammerspielen warum und würde uns gern folgen, wohin auch immer, nur weg aus dieser einöde, oder lieber doch nicht?
susanne wolff, die ensemble-perle des dt, ist ungeschminkt, völlig natürlich. ihr ebenmäßiges gesicht ist die perfekte projektionsfläche für all die unsicherheiten und befindlichkeiten ismenes. eine stunde lang spricht sie hochkonzentriert zu uns ohne angespannt zu wirken, lässt kleine pausen entstehen, nestelt nervös an der hose, zerreibt kreide in den schmalen händen.
verliert sich mit blicken, fängt sich wieder, zweifelt, scheut, geht auf uns zu und wieder weg.
ismene ist publikum nicht gewöhnt. sonst heulen nur die hunde oder die fliegen beißen sie.
ihre biografie ist massenkompatibel übersetzt und transportiert die bekannten eckdaten der mythisierten familiengeschichte, auch mal ironisch, manchmal bitter. 
die eine stunde one-woman-performance fasziniert jede minute.
applaus in wellen, susanne wolff verbeugt sich x-mal und traumhaft lächelnd vor uns, auch die vielen schüler/innen unter den zuschauern sind begeistert.
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