Kritik zuDie Zofen
3.4/5
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zeternde zofen rühren im lindenblütentee
  · 30.01.18
und dann fielen mir doch die augen zu. aber warum? in „die zofen“ (1947, jean genet) fährt regisseur ivan panteleev eine besetzung auf, für die man blind theaterkarten kauft. samuel finzi als zofe claire und wolfram koch als zofe solange. finzi, der knuff mit ausdrucksstarker stimme. koch, der hochkonzentrierte mit dem lauernden scheelen wahnsinn (koch halt). bernd stempel gibt zwischendurch die gnädige frau, ebenso im madamigen fummel, und das ist herrlich amüsant. finzi und koch sind als zofen mal devot, dann wieder rachsüchtig. rangeln sich freundschaftlich in kultige höhen. doch die ränkespiele zünden nicht. madame nimmt die verleumdungen ihres gatten nur zur kenntnis und sehnt seine entlassung aus dem gefängnis mit bebender (männer)brust aus herbei. die zickigen zofen zetern und rühren im lindenblütentee, lauernd auf madames dahinscheiden ob der dosis gift. aber madame mag nicht trinken. finzi gibt final als zofe erneut die madame im eitlen spiel. aber auch in dieser rolle wirkt kein gift. so belanglos dann doch die 90 minuten hohe kunst von hohen künstlern enden, so belanglos kam auch die regie daher. klassisches dramasuchendes sprechtheater mit dosierter dekoration. das herren-trio sprühte in den steifen rollen, stakste aber energetisch gefangen herum, kein wunder bei den pumps. vielleicht ist auch einfach das dasein einer „zofe“ zu fern der heutigen zeit und damit auch irgendwie belanglos.
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