Kritik zuCarmen
2.9/5
Bewertungen: 11
Rezensionen: 3
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Schlechte Idee – guter Handwerker
  · 23.01.18
''Eine Idee, die wie so oft auf dem Papier im ersten Entwurf funktioniert, im Detail dann aber doch  stark mit der musikalischen Seite kollidiert. Bizets Musik steuert, wie Solti mal sehr klug beobachtet hat, im Crescendo von einer geschwätzigen Operette auf ein düsteres Drama zu. Am Ende erst verdüstert sich die Szene. Wer schon vor dem vierten Akt Blut und viele Tote inszeniert, hat vielleicht das Libretto gelesen. Aber er hat Bizet einfach nicht zugehört.

Man muss Tandbergs Interpretation nicht lieben (und ich persönlich verabscheue sie herzlich), und kann doch erkennen, dass wir es hier mit einem Profi zu tun haben, dass sie alles andere als oberflächlich ist. Man merkt: Das ist ein ganz großer Handwerker. Jedes Symbol ist wohlüberlegt, viele Einzelheiten sind ebenso sinnvoll wie originell, etwa die Kinder von Anfang an als Geister und Todesboten auftreten zu lassen. Carmen im blutroten Kleid zu inszenieren, das der roten Blume, die sie José schenkt, so wunderbar ähnlich ist und gut mit der Horror-Seite des Stückes korrespondiert.

Überhaupt: Die Kostüme von Maria Geber waren eine Pracht und zum Teil herrlich operettenhaft, das Hybride des Werkes betonend, das sich – schon aus Gattungsgründen – immer wieder auch dem Grotesken zuneigt.'' schreibt Matthias Käther auf kulturradio.de
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